Projekt 1

Wie aus Welpen hervorragende Blindenhunde werden.
Und aus weiblichen Strafgefangenen verantwortungsvolle Ausbilderinnen.

Deutschland braucht jährlich 250 bis 300 neue Führhunde. Mit den wachsenden Anforderungen an die Mobilität und Flexibilität blinder und sehbehinderter Menschen wachsen auch die Anforderungen an die Führhunde. Sie sollen belastbar, im Straßenverkehr stets führfähig und charakterlich einwandfrei sein.

Einen Blindenhund auszubilden kostet Zeit, Geld, Geduld und Liebe. Um die Hunde schon frühzeitig auf ihre Aufgaben vorzubereiten, hat sich ein Patenprogramm mit ehrenamtlichen Helfern etabliert. In Zusammenarbeit mit professionellen Hundetrainern werden die Tiere in der Familie sozialisiert, ausgebildet und an die Schwierigkeiten des Alltags gewöhnt. Verkehr, Gerüche, Hektik, Gedränge, all das müssen die Welpen zu bewältigen lernen. Aber obwohl die Patenfamilien sehr sorgfältig ausgesucht werden, führen oft unbeabsichtigte Lernerfahrungen dazu, dass nur jeder dritte bis vierte Hund nach Ablauf eines Jahres für die Ausbildung zum Blindenhund geeignet ist. Um den Bedarf aber annähernd decken zu können, werden auch die aufgenommen, die oft nicht geeignet sind. Ein unzureichend ausgebildeter Führhund ist jedoch für den Blinden eine zusätzliche Behinderung und sogar lebensgefährlich.

Projekt 2

„Hundebande“ ist ein Projekt, das diesen Mangel beheben will, indem weibliche Strafgefangene zu großen Teilen die Aufgaben der Patenfamilien übernehmen. Eine große „Patenfamilie“, die situationsbedingt über unendlich viel Zeit für die Tiere verfügt. Die Frauen lernen von den Hunden und umgekehrt.

Durch das Projekt können zusätzliche Hunde für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zur Resozialisierung Strafgefangener. Und mit der effizienten und zielgerichteten Aufzucht liefert es Voraussetzungen, dass blinde und sehbehinderte Menschen gut ausgebildete Führhunde erhalten.

Projekt 3

Tiere sind in ihrer Liebe bedingungslos. Den emotionalen Zuspruch, den die Frauen durch die Welpen erfahren, ändert die gesamte Atmosphäre im Strafvollzug. Es geht plötzlich wieder um andere Themen, als nur um das Leben im Knast. Die oft traumatisierten Frauen übernehmen Verantwortung, freuen sich an Erfolgen, überstehen Rückschläge, agieren zum Wohle der Tiere miteinander statt gegeneinander und übertragen diese positiven Erfahrungen in den Alltag. Die Welpen werden erzogen, gepflegt, bei Krankheit umsorgt und erziehen, umsorgen und pflegen so die Strafgefangenen. Der positive Effekt für die Resozialisierung der teilweise über viele Jahre inhaftierten Frauen ist groß.

Die Idee zu „Hundebande“ war das Ausbildungsprogramm für Blindenhunde „Puppies Behind Bars“, das in einem Gefängnis in New York mit Insassen und jungen Hunden durchgeführt wird. Für „Hundebande“ wurde das Konzept an einigen Stellen verändert, die problematisch für die Entwicklung des Hundes erschienen. So kommen die Welpen erst ab der 12. Woche in die Haftanstalt. In den ersten vier Wochen (zwischen der 8. und 12. Lebenswoche) haben die Hunde die Gelegenheit, die Welt „draußen“ eindrücklich kennenzulernen.

Initiatorin und treibende Kraft ist Manuela Maurer. Die Sozialpädagogin entdeckte das Konzept bei einem Amerikabesuch und beschloss, es in modifizierter Form in Deutschland umzusetzen.

Verantwortlich für die Ausbildung der Hunde und die fachliche Leitung des Projekts ist die renommierte Hundetrainerin Nadja Steffen. Nadja Steffen ist im Blindenverband seit Jahren für ihre tadellos ausgebildeten Führhunde bekannt.

Derzeit findet die neunmonatige Pilotphase in der Justizvollzugsanstalt für Frauen auf Hahnöfersand bei Hamburg statt. Daran nehmen die beiden Labrador Welpen Ronja und Rose und das Pudelmädchen Cleo teil. Die Pilotphase wird vom Hamburger Abendblatt und dem NDR kontinuierlich in Print und TV begleitet. Denn auch die Presse ist gespannt, wann und wie die ersten „jailhouse dogs“ wegen guter Führung entlassen werden.

Hunde

Expose Hundebande (pdf)